Wie fühlt es sich an, einen guten Freund oder gar die Mutter verloren zu haben? Dieser Frage näherten sich die Kinder der Kita Kielenkamp mithilfe kleiner Stoffgiraffen und sehr viel Einfühlungsvermögen. Dabei entwickelten die Krippen-, Kita- und Hortgruppen verschiedene Lösungen, um „ihrem“ Findelkind zu helfen, und übten sich zugleich in „Gewaltfreier Kommunikation“ (GfK).
Das Team der Kita Kielenkamp hat sich im Juni auf dem Weg zu einer anderen Konfliktkultur begeben. Es lernt seither mit Unterstützung von Gudrun Schwanert-Tschechne von der „Sozialen Praxis für Beratung, Schulung und Therapie“ in Kooperation mit Ursel van Overstraeten vom Bildungswerk ver.di in Niedersachsen die GfK-Methode. Das von dem amerikanischen Psychologen Marshall Rosenberg entwickelte Konzept arbeitet mit folgenden vier aufeinander aufbauenden Schritten: „beobachten“, „das Gefühl benennen“, „das Bedürfnis dahinter erkennen“ und „eine Bitte / einen Wunsch formulieren“. Am Beispiel der Geschichte der einsamen Giraffe erarbeiteten die Erzieherin mit den Kindern entsprechend die Fragen: Was habt ihr gesehen? Wie fühlt sich die Babygiraffe? Was braucht sie? Welche Bitte hat sie an uns? Dabei wurden die Kinder spielerisch an die Art des einfühlenden Sprechens herangeführt und zur Suche nach Lösungen ermutigt.
Bei den Krippenkindern wurde das Giraffenbaby Anna beispielsweise fester Bestandteil des Morgenkreises. Mit ihr wurden Bilderbücher geguckt, Lieder gesungen und gespielt. Die Kitakinder tauften ihren vierbeinigen Gast Emma und kümmerten sich rührend um sie. Sie veranlassten ihre Erzieherinnen dazu, sich im Zoo nach Emmas Mutter zu erkundigen bzw. im Rathaus ein Suchplakat auszuhängen. Unmittelbar danach schrieb die Giraffenmutter den Kindern, dankte für ihre Unterstützung und kündigte ihr Eintreffen in der Kita Kielenkamp an, was mit einem Fest gefeiert wurde. Im Hortbereich fand hingegen der Dialog weniger über die Giraffe als vielmehr untereinander statt. Die bis zu zehn Jahre alten Kinder lernten mithilfe der GfK-Methode, offen über ihre Gefühle zu sprechen, die Sichtweise des anderen zu hören und Lösungen für ihren Streit zu finden, die die Bedürfnisse aller Beteiligten erfüllt.
Es ist wichtig, dass die Kinder ihre eigenen Dinge regeln; dabei haben wir Erwachsene eine wichtige Vorbildfunktion“, unterstrich Kita-Leiterin Renate Grätz, als das Team vom Abschluss der ersten Projektphase berichtete. „Wenn Kinder bereits früh für sich sprechen können, werden sie später Konflikte konstruktiv austragen können. GfK ist dabei eine Haltung, die von Achtsamkeit und Wertschätzung geprägt ist.“
Da es sinnvoll ist, wenn auch Eltern beteiligt werden, können sich diese im Rahmen des GfK-Projektes kommendes Jahr ebenfalls schulen lassen. Wenn die Kita Kielenkamp im Juli ihren Schwerpunkt „Gewaltfreie Kommunikation“ herausgebildet hat, können alle beim großen Abschlussfest mitfeiern– das komplette Team der Kita Kielenkamp, die Kinder und deren Eltern.
